SIUG (Swiss Internet User Group)

Positionspapier zum Thema Provider - Kriterien, Fallstricke

11. August 1999

Kontakt: siug@siug.ch

Eine unüberschaubare Anzahl Firmen tritt auf dem Markt der Internet-Provider auf. Die Angebote sind breit gefächert und für unterschiedliche Anforderungen gibt es angepasste Lösungen, wobei es eine klare Trennung in ein Massengeschäft (Internetzugang via Telefonleitung/Modem) und einen mehrwertorientiertes Angebot (Webseiten-, Server- und Anwendungsangebote) gibt. Mittelfristig ist mit einer Konzentration in diesen zur Zeit stark fragmentierten Märkten zu rechnen, da grössere Anbieter einen wesentlichen Kostenvorteil haben.

Die Positionen der SIUG

Die Internet-Provider haben aufgrund ihrer Stellung im Geflecht der Dienstleistungen eine besondere Verantwortung für das Funktionieren des Internets. Diese Verantwortung müssen auch Provider übernehmen, die besonders günstige oder Gratis-Dienstleistungen anbieten.

Die Provider müssen ihre Kunden ehrlich über die tatsächlich angebotenen Dienste und allfällige Einschränkungen informieren. Dazu gehört auch, dass Informationen über die Auslastung der Anbindung des Providers ans Internet und die Anzahl sowie Erreichbarkeit der Einwahlknoten publiziert wird.

Die Provider dürfen den Kunden nicht vorschreiben, mit welchen Programmen oder Plattformen die Internet-Dienste genutzt werden können. Der Einsatz von proprietären Programmen ist strikt abzulehnen.

Die Benutzer müssen ihren Anteil am verantwortungsvollen Umgang mit den Netzressourcen tragen. Die Provider müssen das ihre dazu beitragen, dass ihre Kunden - vor allem Neukunden - entsprechend sensibilisiert werden.

Die Provider müssen kompetente Ansprechpartner für die diversen Formen des Netzmissbrauchs ihrer Kunden bereitstellen. Sie müssen dafür sorgen, dass bei (wiederholtem) Missbrauch Kündigungen ausgesprochen werden können. Dies gilt nicht nur für Einwahlkunden, sondern auch für Firmenkunden mit Standleitungen.

Massvoller Einsatz von Werbung, auch zur Finanzierung von Gratisangeboten. Das Web und alle anderen Komponenten des Internets und Usenets sind nicht primär eine Marketing- sondern eine Informationsplattform. Es darf dem Benutzer nicht verunmöglicht werden, Werbung auszublenden.

Was ist ein Provider

Wenn man landläufig von Provider spricht, meint man einen Access-Provider, der Einwahlmöglichkeiten über das öffentliche Telefonnetz zur Verfügung stellt. Der Anschluss kann jedoch auch über Mietleitungen (Standleitungen) und andere Methoden erfolgen. Daneben gibt es Provider, die gar keine Einwahl, sondern nur spezielle Dienste wie z.B. Mail- und Newszugang anbieten. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die gebräuchlichsten Dienstleistungen:

DienstleistungBeispiel
Einwahl analog/ISDNAccess-Provider
Zugang mittels Standleitung/MietleitungAccess-Provider
Zugang mittels Kabel-TVBalcab, Cablecom (Swissonline)
Mail-DiensteAccess-Provider, GMX, Hotmail
News-Dienste (Usenet)Access-Provider, deja.com, "frei zugängliche" Newsserver[2]
Webseiten-HostingAccess-Provider, Xoom, Tripod
Server-Hosting[1]diverse
Server-Housing[1]diverse

[1] Server-Hosting liegt dann vor, wenn mehrere Kunden die gleiche Maschine des Providers gemeinsam nutzen. Beim Server-Housing stellt der Kunde einen eigenen Rechner in den Räumen des Providers auf.

[2] Frei zugängliche Newsserver sind nur diejenigen, welche nach einer Benutzer-Identifikation den Zugriff auf ihre Dienste erlauben. Die Benutzung von schlecht abgesicherten Newsservern ohne Wissen der Betreiber ist dagegen als Diebstahl fremder Leistungen einzustufen.

Nicht alle Access-Provider bieten sämtliche Dienste in eigener Regie an. Häufig stellen sie nur die Einwahlknoten zur Verfügung oder - genau umgekehrt - überlassen den Betrieb der Einwahlknoten einem (Telefon-) Anbieter und beschränken sich auf die eigentlichen Internet-Dienstleistungen. Die Auswahl der eigenen oder eingekauften Dienstleistungen hat sowohl auf die Preise als auch auf die Qualität der gesamten Dienstleistung Einflüsse.

Grundleistungen eines Providers

Die Grundfunktion eines Internetzugangs sind EMail, Web-Surfing und das Usenet. EMail dient nicht nur der individuellen Kommunikation, sondern ist auch die Basis für Mailinglisten. Im Gegensatz zu EMail und Usenet benötigt der Provider für das Web-Surfen keine eigenen Maschinen. Für Usenet hingegen ist es sinnvoll, wenn der Provider einen eigenen Newsserver betreibt.

Um im Wettbewerb zu bestehen, bieten Provider eine Reihe weiterer Dienstleistungen an. Das können z.B. weitere EMail-Adressen oder Platz für eine eigene Homepage sein. Mit diesen Kunden-Homepages kann man in der Regel keine kommerziellen Angebote anbieten oder datenbank-basierte Anwendungen betreiben.

Neben den bisher erwähnten gibt es im Internet eine ganze Reihe weiterer Dienste: diverse Chat-Dienste wie IRC oder ICQ, FTP für Dateiübertragungen, Telnet für den Zugriff auf entfernte Rechner u.a.m. Für diese Dienste sorgt normalerweise nicht der Access-Provider.

Programme und Standards

Die zur Zeit verbreitetsten Browser von Netscape und Microsoft bieten in Zusammenarbeit mit den zugehörigen Programmen und Plugins den Zugriff auf EMail, Web, FTP, Usenet und einige andere. Für beinahe alle Bereiche gibt es jedoch einzelne Programme, welche diese Teilaufgaben besser lösen und / oder sich besser an etablierten Standards orientieren.

So verwenden die Programme von Netscape und Microsoft im Usenet in der Standardeinstellung das HTML-Format, obwohl dieses im Usenet nicht verwendet werden sollte. Man sollte deshalb nicht blindlings auf die jeweils neuesten Versionen der bekannten Programme setzen, sondern für den jeweiligen Umständen angepasst eine individuelle Wahl treffen zwischen benötigten Features, Einhaltung von Standards, anderen eingesetzten Programmen und anderen Parametern.

Standards sind ein ganz wesentliches Element aller Internet-Dienste. Egal ob Web (http://...) oder EMail: ohne die vorherrschende Standardisierung wäre die Kommunikation über Landes- und Betriebssystemgrenzen hinweg nicht denkbar. Die bewusste Aufweichung und Vernachlässigung von Standards ist eine ernsthafte Bedrohung für die Vielfalt der Kommunikationsformen im Internet. Dies schliesst innovative Entwicklungen nicht aus, aber diese dürfen nicht darauf angelegt sein, durch Verheimlichung neuer oder durch die 'Verschmutzung' bestehender Protokolle einen Marktvorteil erreichen zu wollen.

Alternative Zugänge

Mit den Modemzugänge verfügen die Benutzer über eher magere Bandbreiten. Höhere Bandbreiten lassen sich durch den Wechsel auf IDSN bewerkstelligen; dazu sind keine Änderungen an den Hauszuleitungen notwendig und entsprechend mit vertretbarem Aufwand zu errichten. Ein weiterer Vorteil ist die zusätzliche Telefonleitung, die man mit ISDN erhält. Ebenfalls über bestehende Kupferleitungen kann man diverse ISDN-ähnliche Dienste nutzen (xDSL-Technologien), die jedoch mit deutlich höheren Kosten verbunden sind.

Die Fernseh-Kabel erreichen ebenfalls einen grossen Teil der Haushalte und bieten sich aufgrund der Übertragungskapazitäten als Internet-Zugang an. Die Technologie ist noch relativ neu und erst in einigen Schweizer Gemeinden - teils in Testinstallationen - in Betrieb. Der Internet-Zugang über das Stromnetz ist in Entwicklung, leidet jedoch an den relativ grossen Schwankungen im Leitungsnetz.

Dem Fernseh- und Strom-Zugang ist gemeinsam, dass die Leitungsbetreiber in der Regel über keine Erfahrung als Internetprovider verfügen und insbesondere zu Beginn des Dienstes grosse Probleme damit haben, die neue Kundschaft entsprechend flexibel zu bedienen. Trotzdem sind sie die einzigen, die mittelfristig eine echte Alternative zu den ehemals staatlichen Telefonmonopolisten für die "letzte Meile", den Anschluss bis in jedes einzelne Haus, anbieten können.

Wie kann man die Qualität eines Providers messen?

Von den folgenden Kriterien muss jeder Benutzer die für ihn relevanten heraussuchen und gewichten.

  • Wenn eine Einwahl erforderlich ist: Häufigkeit der Besetztzeichen (Wie grosszügig ist die Kapazität des Providers bemessen?)
  • Bester, durchschnittlicher und schlechtester Durchsatz von einem Server des Providers zum Kunden (Wie gut ist das eigene Netz des Providers?)
  • Bester, durchschnittlicher und schlechtester Durchsatz von einem Server im Internet zum Kunden (Wie gut ist die Backbone-Anbindung des Providers?)
  • Welche eigenen Dienste werden vom Provider angeboten (Mail, Usenet, eigene Homepages, ...)
  • Auf welche externen Dienste kann man zugreifen (beliebige Webserver, beliebige Mailserver, beliebige Newsserver, beliebige sonstige Anwendungen, ...)
  • Arbeitszeiten und Kosten des Supports.
  • Stellt der Provider funktionierende Beschwerde-Adressen zur Verfügung?
  • Sehen die AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen) des Providers Massnahmen gegen Spammer und sonstigen Netzmissbrauch vor? Und werden diese Massnahmen auch umgesetzt?

Der ideale Provider stellt einen volle TCP/IP-Anbindung in Verbindung mit den notwendigen und wünschbaren Dienstleistungen zur Verfügung. Eine volle TCP/IP-Anbindung liegt nicht vor, wenn z.B. zwangsweise der Mailserver des Providers benutzt werden muss oder der Web-Zugang nur über den Proxy-Server des Providers möglich ist.

Sperrung von Dienstleistungen

Provider haben grundsätzlich die Möglichkeit, ihren Kunden gewisse Zugriffe prinzipiell zu verbieten. Jeder Dienst im Internet (z.B. EMail) ist mit einem definierten "Port" (EMail versenden = Port 25) versehen. Diese Ports können vom Provider blockiert werden, wodurch die Nutzung dieses Dienstes unterbunden wird.

Port-Sperrungen ist grundsätzlich mit Misstrauen zu begegnen:

  • Provider sperren Ports, um den Zugriff auf Bandbreiten-intensive Dienste zu verhindern. Wenn diese Sperrungen nicht explizit in den Geschäftsbedingungen erwähnt sind, grenzen solche Sperrungen an Betrug.
  • Provider sperren Ports, um Netz-Missbrauch ihrer Kunden zu verhindern. Wenn der Zugriff nur auf den Mailserver des Providers beschränkt ist, kann Spamming durch einen Kunden relativ einfach zurückverfolgt werden. Leider wird dadurch der Zugriff auf zusätzliche EMail-Dienste (z.B. auf einen Firmen-Mailserver) verhindert. Solche Massnahmen treffen die falschen und sind in der Regel nicht das effizienteste Mittel im Kampf gegen Netzmissbrauch.
  • Die Ports 137 bis 139 können ein Sicherheitsproblem sein, da sie von den Windows-Netzwerkfunktionen benutzt werden und durch das Betriebssystem nur unzureichend geschützt sind. Hier ist eine Sperrung zum Schutz der Kunden gerechtfertigt und auch nicht mit wesentlichen Einschränkungen verbunden.
  • Ebenso sind Sperrungen auf Ports, die von verbreiteten Trojanischen Pferden benutzt werden, sinnvoll (z.B. die Ports 12345 und 31337).
  • Eine Variante zu den Port-Sperrungen sind Beschränkungen des Datentransfers auf gewissen Ports. Dies wird gerne für Usenet und FTP eingesetzt.

Kostenstrukturen und Geschäftsmodelle

Das Internet war historisch gesehen ein System von geben und nehmen, wobei substantielle Bestandteile öffentlich finanziert waren, insbesondere im Bereich der Backbones. Im Zuge der Kommerzialisierng wird die Infrastruktur zunehmend privatwirtschaftlich finanziert; insbesondere die klassischen Telefongesellschaften betreiben bedeutende Backbones.

Die Kalkulation und die Verrechnungsmethoden von Internet-Angeboten kann äusserst vielfältig sein, insbesondere wenn der Internet-Zugang als Lockmittel für weitere Geschäfte gilt (z.B. bei Telefongesellschaften, im Zusammenhang mit Werbung oder als "loss-leader").

Gratisangebote und Bauernfängerei

Viele Internet-Dienstleistungen werden mit dem Attribut "gratis" beworben. Der Provider AOL z.B. verteilt massenhaft CD's, welche eine gewisse Anzahl an Gratisstunden für den proprietären (nicht-Internet-basierenden) Dienst sowie beschränkten Internet-Zugang bietet.

Der Konsument muss sich der jeweiligen Einschränkungen bewusst sein -- there is no such thing as a free lunch. Angebote, die mit Schlagwörtern beworben werden, sollten gerade in dieser schnellebigen und sich rasch wandelnden Branche mit Vorsicht interpretiert werden.

Ein Provider muss nicht nur die Server-Infrastruktur, das Personal und die Räume finanzieren; viel mehr fällt die Backbone-Anbindung ins Gewicht. Wenn also an diversen Stellen mit Gratisangeboten oder überaus günstigen Angeboten geworben wird, dann werden die Kosten auf andere Art gedeckt oder das Angebot hat den einen oder anderen Pferdefuss.

  • Das Angebot ist werbefinanziert (z.B. über Bannerwerbung)
  • Die Kosten werden an anderer Stelle geltend gemacht (z.B. Telefongebühren)
  • Das Angebot wird durch andere/spätere Einnahmen quersubventioniert
  • Das Angebot ist nur auf gewisse Provider-Dienste beschränkt (z.B. kein Newsserver)
  • Der Zugriff ist nur über Proxy-Server möglich und damit auf einige wenige Dienste (Web, EMail) beschränkt.
  • Gewisse Ports, die den Zugriff z.B. auf Firmen-EMail-Server ermöglichen, sind gesperrt.
  • Ungenügende Kapazitäten (insbesondere Backbone-Anbindung).
  • Es liegen sonstige Einschränkungen vor (z.B. Port-Sperrungen).

Zuerst in den USA und zunehmend auch in Europa werden Rechner gratis oder stark verbilligt abgegeben, verbunden mit einem Internet-Zugang. Nur ausgewählte Kunden, die über umfangreiche und detaillierte Fragebögen identifiziert werden, erhalten diese Gratis-PC's. Aufgrund dieser Fragebögen werden Kundenprofile erstellt, welche wiederum der Werbewirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Die Kunden werden in der Folge mit entsprechender Werbung versehen -- per Bildschirmschoner, Desktop-Hintergrundbilder, EMail, Webseiten etc.

Kommerzielles im Internet - aus Kundensicht

Werbung ist ein wesentlicher Bestandteil des heutigen Internets, im positiven Sinne im Zusammenhang mit Webseiten und dem Beitrag zur Finanzierung der Backbones und im negativen Sinne im Zusammenhang mit unerwünschter Werbung in Newsgruppen und per EMail (siehe dazu das SIUG-Positionspapier SPAM).

Nur wenige Dienstleistungen im Web können mit Bezahlung durch die Benutzer funktionieren. Einem einzigen funktionierenden Beispiel (der New York Times) stehen zahlreiche gescheiterte Experimente entgegen (z.B. das Microsoft-Journal Slate). Allenfalls in Nischen konnte sich die Bezahlung für Information durchsetzen, namentlich für journalistische, juristische und wissenschaftliche Datenbanken. Andere Angebote finanzieren sich im Zusammenhang mit Abonnementen anderer Medien (etwa die Publikationen USENIX, ACM, IEEE).

Die grosse Ausnahme von diesen Erfahrungen sind Sex-Webseiten, bei denen eine benutzerbezogene Abrechnung meist über Kreditkarten funktioniert. Die in dieser Branche angewandten Verfahren des "Microbilling" könnte eventuell auch für andere Bereiche wegweisend sein; viele Seiten rechnen die Besuche nicht selbst ab, sondern über Clearing-Organisationen.

Kreditkarten - Do's und Dont's

Vor dem Einsatz von Kreditkarten im Internet wird an vielen Stellen gewarnt. Diese Warnungen müssen zum Teil ernst genommen werden, sind aber häufig überzogen. Selbst wenn mit einer Kreditkarten-Nummer Missbrauch betrieben wird, liegt die Beweislast für die Rechtmässigkeit der Belastungen nicht auf Seiten des Karteninhabers, sondern des Händlers. Die Gefahr ist letztlich nicht wesentlich anders als beim klassischen Mail- oder Phoneordergeschäft, bei welchen die Kartennummer auch über relativ unsichere Kanäle an den Händler gelangt. Vorsicht ist bei der Eingabe von Kreditkartennummern dennoch angebracht.

  • Prinzipiell müssen solche Webseiten geschützt sein (erkennbar am "https" im Gegensatz zum "http"). Dies zeugt zumindest von einem gewissen Sicherheitsbewusstsein beim Betreiber der Webseite.
  • Achten sie auf die Bedingungen und das Kleingedruckte. Wie hoch soll der effektiv abzubuchende Betrag sein? Wird der Betrag einmalig oder wiederholt abgebucht? Ist eine EMail-Adresse für Rückfragen vorhanden? Ist eine (postalische) Adresse vorhanden? Ist eine Telefonnummer vorhanden?
  • Welche Leistung bekomme ich durch die Bezahlung?

Kurz gesagt: Lassen Sie gesunden Menschenverstand walten.
Technisch gesehen ist die grösste Sicherheitslücke nicht zwischen dem Kunden und der Webseite, sondern zwischen der Webseite und dem Händler. Da die kleineren Händler meist nicht über einen Server im eigenen Haus verfügen, werden die Daten vom (gesicherten) Webserver häufig in ungesicherter Form (per EMail oder Fax) an den Händler weitergeleitet. Diese Schnittstelle ist auch z.B. für Cracker wesentlich lukrativer.

Werbung aus Webseiten ausblenden

Webseiten mit vielen Bildern verlangsamen das Herunterladen und die Darstellung besonders für Modembenutzer. Auch Benutzer, die über Standleitungen angeschlossen sind, bezahlen häufig nach übertragenem Datenvolumen. Aus Benutzersicht sind insbesondere Werbebanner ein Kostenfaktor und ein Ärgernis. Produkte wie der Webwasher von Siemens und der Junkbuster (http://www.junkbuster.org/) blenden solche Grafiken aus.

Die Werbewirtschaft und die Betreiber von werbefinanzierten Webseiten stehen diesen Produkten naturgemäss skeptisch gegenüber, da sie einen Verlust an Werbewirkung respektive Mindereinnahmen befürchten. Die Befürworter von Werbeblockern weisen darauf hin, dass unerwünschte Werbung eher einen negativen Einfluss hat. Es sei deshalb keine Einschränkung der Werbebotschaft zu erwarten, wohl aber eine deutlich Reduktion der Datenmengen. Anstatt die Werbung einfach zu ignorieren (oder sich gar darüber zu ärgern) wird sie direkt blockiert.

Dies hat auch (nach einer engagierten Diskussion in den Newsgroups) die deutsche Zeitschrift Focus erkennen müssen, die seitdem eine angepasste Variante ihrer Seite für Benutzer von Webwasher eingerichtet hat. Die amerikanische Organisation Junkbuster sieht sich darüber hinaus als Konsumentenorganisation, welche die Internetbenutzer bei der Wahrung ihrer Privatsphäre unterstützen will. Das Programm Junkbuster verhindert deshalb auch sog. "cookies", welche vom Ersteller einer Webseite dazu benutzt werden können, Informationen auf dem PC des Benutzers abzulegen (um so den Benutzer bei jedem Besuch eindeutig identifizieren zu können).

Es zahlt sich also für die Betreiber von Webseiten aus, ihre Seiten so zu gestalten, dass Werbung möglichst einfach herausgefiltert werden kann.

Verantwortungsvoller Umgang mit den Netzressourcen

Das Internet ist nicht mehr eine altruistische Veranstaltung technologischer Vordenker sondern ein Massenmedium; das Geben und Nehmen von Netz-Ressourcen ist einer eher konsumorientierten Anspruchshaltung gewichen. Die Werbefinanzierung vieler Angebote sollte kein Freibrief zur (rücksichtslosen) Nutzung eines Angebots sein. Vielmehr muss sich jeder Internet-Benutzer und jeder Provider seiner Verantwortung für den schonungsvollen Umgang mit den gemeinsamen Ressourcen bewusst sein. Dies umschliesst:

  • Die richtigen Dienste für die richtigen Anforderungen verwenden; dies führt zu einer allgemein effizienteren Ausnutzung der vorhandenen Bandbreiten. (Beispiel: Wo immer möglich reinen Text anstelle von aufwendigeren Office-Dateiformaten verwenden)
  • Einhalten allgemein akzeptierter Verhaltensregeln. (Beispiel: "Netiquette" zum Verhalten in Newsgruppen; FTP-Server zu Randzeiten; Zurückhaltender Einsatz von Werbemassnahmen)
  • Vorsicht vor Lock-In (z.B. Provider mit proprietären Inhalten oder Software mit proprietären Schnittstellen; die Einhaltung von offenen Standards bringt und nützt allen)
  • Eigenverantwortung für den Schutz von Privatsphäre und wirtschaftlichen wertvollen Daten durch den Einsatz von Verschlüsselung, wo sinnvoll.
  • Kritisches Hinterfragen von Eingaben auf Webseiten und Auskünften via EMail oder in Newsgruppen.

Ressourcen, Links

  1. http://www.koehntopp.de/kris/artikel/blocking/
    Sperrungen im Internet -- Eine Aufarbeitung der Zensurdiskussion.
  2. http://www.webtool.net/provider/provider.html
    Zugriffsgeschwindigkeit einiger Schweizer Provider.
  3. http://www.opensource.org/halloween/
    'The Halloween Documents': Wichtigkeit der Einhaltung offener Standards und eine Analyse von Microsoft zu diesem Thema.
  4. http://www.sims.berkeley.edu/resources/infoecon/Pricing.html
    Eine mikroökonomische Analyse der Preisgestaltung für Internetanschlüsse.
 

Letzte Änderung: 29. Nov 2009

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